Blindenschrift auf Medikamenten: was das Gesetz verlangt

Auf fast jeder Medikamentenpackung in Deutschland steht der Name des Arzneimittels auch in Blindenschrift. Das ist kein freiwilliger Service, sondern Pflicht: Nach § 10 Abs. 1b des Arzneimittelgesetzes (AMG) ist die Bezeichnung des Arzneimittels auf der äußeren Umhüllung auch in Blindenschrift anzugeben. Die Regel geht auf das EU-Recht zurück und gilt deshalb in ähnlicher Form in allen EU-Ländern.

Das Wichtigste

  • Auf der äußeren Verpackung muss der Name des Arzneimittels in Blindenschrift stehen.
  • Angaben zur Darreichungsform und zur Personengruppe müssen nicht in Blindenschrift stehen, auch wenn sie im Namen vorkommen.
  • Ausnahmen: Arzneimittel, die nur von Angehörigen der Heilberufe angewendet werden, und Packungen mit höchstens 20 Milliliter oder 20 Gramm.
  • Die Pflicht stammt aus der EU-Arzneimittelrichtlinie 2001/83/EG in der Fassung der Richtlinie 2004/27/EG.

Was genau im Gesetz steht

§ 10 Abs. 1b AMG hat drei Teile (Gesetzestext):

  1. Die Bezeichnung des Arzneimittels ist auf den äußeren Umhüllungen auch in Blindenschrift anzugeben.
  2. Die sonstigen Angaben zur Darreichungsform und zur Personengruppe, für die das Arzneimittel bestimmt ist, müssen nicht in Blindenschrift aufgeführt werden, auch wenn sie in der Bezeichnung enthalten sind.
  3. Die Pflicht gilt nicht für Arzneimittel, die ausschließlich durch Angehörige der Heilberufe angewendet werden sollen, und nicht für Packungen von nicht mehr als 20 Milliliter Nennvolumen oder 20 Gramm Inhalt.

Steht also auf der Packung „Ibuprofen 400 mg Filmtabletten“, muss mindestens der Name in Blindenschrift erscheinen; „Filmtabletten“ als Darreichungsform muss es nicht.

Wie ein Medikamentenname in Blindenschrift aussieht

Die Blindenschrift auf Packungen ist meist Vollschrift: ein Buchstabe pro Zelle, Zahlen mit dem Zahlzeichen davor. „Ibuprofen 400“ sieht so aus:

⠊⠃⠥⠏⠗⠕⠋⠑⠝⠀⠼⠙⠚⠚

Die ersten neun Zellen sind die Buchstaben, nach dem Leerzeichen folgt das Zahlzeichen (Punkte 3, 4, 5, 6) und dann die Ziffern 4, 0, 0, geschrieben mit den Zellen d, j, j. Wie Zahlen funktionieren, steht in Zahlen in Blindenschrift.

Warum das wichtig ist

Medikamentenpackungen sehen sich oft sehr ähnlich. Für blinde und sehbehinderte Menschen ist die Blindenschrift auf der Packung die einfachste Möglichkeit, selbst zu prüfen, welches Arzneimittel sie in der Hand halten, ohne auf andere angewiesen zu sein. Für die Packungsbeilage gilt etwas anderes: Die EU-Richtlinie verpflichtet die Hersteller, sie auf Anfrage von Patientenorganisationen in Formaten bereitzustellen, die für blinde und sehbehinderte Menschen geeignet sind.

Die Punkte selbst lesen

Die Blindenschrift auf Packungen ist oft flach und klein, aber lesbar. Wer Blindenschrift neu lernt, kann gerade an Packungen gut üben: Der Name steht ja gedruckt daneben. Am besten fängt man mit den Buchstaben a bis j an, die nur die oberen vier Punkte nutzen; die Anleitung steht in Blindenschrift lernen, und jeden Namen kann man im Brailleschrift-Übersetzer nachprüfen.

Häufige Fragen

Warum steht auf Medikamenten Blindenschrift?

Weil § 10 Abs. 1b AMG es vorschreibt: Der Name des Arzneimittels muss auf der äußeren Verpackung auch in Blindenschrift stehen. Die Regel stammt aus dem EU-Recht.

Was steht in Blindenschrift auf der Packung?

Mindestens der Name des Arzneimittels. Darreichungsform und Personengruppe müssen nicht in Blindenschrift stehen.

Gibt es Ausnahmen?

Ja: Arzneimittel nur zur Anwendung durch Angehörige der Heilberufe und Packungen mit höchstens 20 Milliliter oder 20 Gramm Inhalt.

Gilt das in ganz Europa?

Die Pflicht geht auf die EU-Richtlinie 2001/83/EG in der Fassung von 2004 zurück und gilt deshalb in allen EU-Ländern, umgesetzt in deren nationalem Recht.